Lektion 19: Steigerung von Adjektiven. Adverbien und Intensifikatoren

So arbeitest du mit dieser Lektion

  1. Lies die Regel zur Steigerung (5 Minuten).
  2. Merk dir die Schablone „yoter + Adj. + mi-" — sie ist das Arbeitspferd der ganzen Lektion.
  3. Durchgang jeder Stufe durch die Matrix: ani → ata/at → hu/hi → anachnu → atem/aten → hem/hen — damit Genus- und Numeruskongruenz Reflex werden.
  4. Adverbien lerne separat, nicht als „Adjektiv + -o/-e". Im Hebräischen sind Adverbien eigenständige Wörter, nicht suffixale Ableitungen.

Hauptidee der Lektion: das Hebräische bildet den Komparativ nicht mit einem Suffix (wie das deutsche „groß**-er**", „schnell**-er**"). Es stellt vor das Adjektiv ein Hilfswort yoter („mehr") und drückt „als X" mit dem Präfix mi- vor dem Vergleichsgegenstand aus. Genauso bei Adverbien: das Hebräische macht aus einem Adjektiv kein Adverb durch ein Suffix („schnell" → „schnell" — im Deutschen ist das ohnehin gleich, im Russischen wäre es „-o/-e"). Das Adverb ist im Hebräischen eine eigene Lexie (le'at, maher, yafe), die man als neues Wort lernen muss.


Teil 1: Komparativ — yoter… mi-

Um zu sagen „das Haus ist größer als das Auto", baut das Hebräische so:

ha-bayit yoter gadol me-ha-mekhonit הַבַּיִת יוֹתֵר גָּדוֹל מֵהַמְּכוֹנִית „das Haus mehr groß vom-Auto"

Analyse:

  • yoter (יוֹתֵר) — „mehr". Wird vor das Adjektiv gestellt.
  • gadol (גָּדוֹל) — „groß" (m. Sg.).
  • mi- / me- (מִ- / מֵ-) — Präfix „von, als". Vor dem Artikel ה- (h) wird es zu me- (mit Zere), weil der Artikel „aufgegessen" wird: mi- + ha- → me-.

Regel in einer Zeile: [Subjekt] + yoter + [Adjektiv] + mi-[Vergleichsobjekt]

Das Adjektiv kongruiert in Genus und Numerus

Yoter verändert sich nicht, das Adjektiv aber sehr wohl (wie in L9 gesehen).

FormBeispielDeutsch
m. Sg.הוּא יוֹתֵר גָּבוֹהַּ מִמֶּנִּיhu yoter gavoah mimeni — er ist größer als ich
f. Sg.הִיא יוֹתֵר גְּבוֹהָה מִמֶּנִּיhi yoter gvoha mimeni — sie ist größer als ich
m. Pl.הֵם יוֹתֵר גְּבוֹהִים מִמֶּנִּיhem yoter gvohim mimeni — sie sind größer als ich
f. Pl.הֵן יוֹתֵר גְּבוֹהוֹת מִמֶּנִּיhen yoter gvohot mimeni — sie sind größer als ich

Wichtig: mimeni („als ich"), mimkha („als du" m.), mimekh („als du" f.), mimenu („als er"), mimena („als sie"), me-itanu („als wir") — das sind flektierte Formen der Präposition mi- (L15). Merk dir die 3. Person: „größer als ich" — yoter… mimeni.

Alternative Stellung: yoter nach dem Adjektiv

In der gesprochenen Sprache und im Buchstil trifft man yoter häufig nach dem Adjektiv — vor allem, wenn der Vergleich „in der Luft hängt" ohne mi-:

ha-bayit gadol yoter — „das Haus ist mehr groß" (ohne „als") הַבַּיִת גָּדוֹל יוֹתֵר

Beide Stellungen sind gleichwertig. Vor einer mi-Phrase stellt man eher yoter vorne: yoter gadol mi-...


Teil 2: Superlativ — zwei Varianten

Das Hebräische hat zwei Wege für „der/die/das …ste":

Variante 1: buchsprachlich — ha-… beyoter

ha-yom ha-tov beyoter הַיּוֹם הַטּוֹב בְּיוֹתֵר „der beste Tag" (wörtlich „der Tag der gute im-Mehr")

Schablone:

ha-[Substantiv] + ha-[Adjektiv] + beyoter

Beachte: der Artikel ha- steht zweimal — am Substantiv und am Adjektiv (wie es die Regel L9 mit bestimmtem Substantiv vorsieht). beyoter ist be- + yoter („im-Mehr"), als ein Wort geschrieben.

HebräischTranslitDeutsch
הַסֵּפֶר הֶחָדָשׁ בְּיוֹתֵרha-sefer he-chadash beyoterdas neueste Buch
הַשְּׁאֵלָה הַחֲשׁוּבָה בְּיוֹתֵרha-she'ela ha-chashuva beyoterdie wichtigste Frage
הַסְּטוּדֶנְטִים הַטּוֹבִים בְּיוֹתֵרha-studentim ha-tovim beyoterdie besten Studenten

Variante 2: umgangssprachlich — ha-hachi…

ha-yom ha-hachi tov הַיּוֹם הֲכִי טוֹב „der beste Tag"

Schablone:

ha-[Substantiv] + ha-hachi + [Adjektiv] (umgangssprachlich oft ohne zweiten Artikel: hachi tov)

hachi (הֲכִי) — umgangssprachliches „der/die/das …ste". In der lebendigen Sprache sagen Israelis fast ausschließlich hachi, beyoter hält sich in Büchern, Zeitungen, formellen Texten.

Buchsprachlich (beyoter)Umgangssprachlich (hachi)Deutsch
ha-bayit ha-gadol beyoterha-bayit ha-hachi gadoldas größte Haus
ha-isha ha-yafa beyoterha-isha ha-hachi yafadie schönste Frau
ha-yeladim ha-tovim beyoterha-yeladim ha-hachi tovimdie besten Kinder

Wahlregel: in formeller Schrift/Rede — beyoter. In der Konversation — hachi. Verstehen musst du beide.

Unregelmäßige Vergleiche: tov und ra

Wie im Deutschen („gut → besser → der/die/das beste"), hat das Paar tov / ra im Hebräischen kurze Formen, aber sie sind nicht zwingend zu benutzen — yoter tov funktioniert.

Adj.Komp. (buchspr.)Komp. (umgangsspr.)Superl.
tov (gut)yoter tov / tov yoteryoter tovha-tov beyoter / ha-hachi tov
ra (schlecht)yoter ra / ra yoteryoter raha-ra beyoter / ha-hachi ra

Beachte: im Hebräischen gibt es keine suppletiven Formen vom Typ „besser" / „schlechter". Einfach yoter tov, yoter ra.


Teil 3: Ungleichheit und „so … wie"

lo yoter mi- — „nicht mehr als"

ha-bayit lo yoter gadol me-ha-mekhonit הַבַּיִת לֹא יוֹתֵר גָּדוֹל מֵהַמְּכוֹנִית „das Haus ist nicht größer als das Auto"

Einfach lo vor yoter setzen.

pachot mi- — „weniger als"

pachot (פָּחוֹת, „weniger") — Antonym zu yoter. Funktioniert nach demselben Schema.

ha-mekhonit pachot yekara me-ha-bayit הַמְּכוֹנִית פָּחוֹת יְקָרָה מֵהַבַּיִת „das Auto ist weniger teuer als das Haus"

kmo — „wie, so wie"

„So X wie Y" wird über kmo (כְּמוֹ, „wie") ausgedrückt:

ha-bayit gadol kmo ha-mekhonit הַבַּיִת גָּדוֹל כְּמוֹ הַמְּכוֹנִית „das Haus ist groß wie das Auto" = „genauso groß"

Verstärkung — bediyuk kmo (genau wie) oder mamash kmo (regelrecht wie).


Teil 4: Adverbien — der Hauptgedanke

Im Hebräischen ist das Adverb ein eigenständiges Wort, keine Ableitung mit Suffix vom Adjektiv.

Vergleich:

DeutschHebräisch
schnell (Adj.) → schnell (Adv.) — gleichmahir (schnell, Adj.) → maher (schnell, Adv.) — zwei verschiedene Wörter
langsam (Adj.) → langsam (Adv.) — gleichiti (langsam, Adj.) → le'at (langsam, Adv.)
schön → schönyafe (schön) → yafe (schön) — hier zufällig gleich
gut → guttov (gut) → tov (gut) — auch zufällig gleich

Ein Teil der Adverbien fällt äußerlich mit dem Adjektiv m. Sg. zusammen (tov, yafe). Ein Teil sind eigene Lexien (le'at, maher). Ein Teil entsteht mit ב + Substantiv (s. unten).

Wo das Adverb im Satz steht

Meistens — nach dem Verb:

hu medaber maher — er spricht schnell (הוּא מְדַבֵּר מַהֵר) hi holekhet le'at — sie geht langsam (הִיא הוֹלֶכֶת לְאַט) anachnu lomdim tov — wir lernen gut (אֲנַחְנוּ לוֹמְדִים טוֹב)

Frequenzadverb (tamid, lifamim) — vor dem Verb:

ani tamid ohev kafe — ich liebe immer Kaffee (אֲנִי תָּמִיד אוֹהֵב קָפֶה) hu lifamim ba — er kommt manchmal (הוּא לִפְעָמִים בָּא)

Konstruktion „be + Substantiv" als Adverb

Das Hebräische bildet sehr aktiv Adverbien aus Substantiven mit der Präposition be- („in"):

HebräischTranslitDeutsch
בְּשִׂמְחָהbe-simchamit Freude / freudig
בִּזְהִירוּתbi-zhirutvorsichtig
בְּקַלּוּתbe-kalutleicht
בִּמְהִירוּתbi-mhirutschnell (formell)
בְּשֶׁקֶטbe-sheketleise

Regel: be + abstraktes Substantiv (-ut, -a) = „mit dieser Eigenschaft" = Adverb. Das ist ein produktives Modell: kennst du das Substantiv auf -ut — kennst du auch das Adverb.


Teil 5: Intensifikatoren — meod, kol kakh, yoter midai, ktzat

Das sind die „Thermometer" — Wörter, die das Adjektiv/Adverb verstärken oder abschwächen.

HebräischTranslitStärkeDeutschBeispiel
מְעַטme'atsehr schwachwenigme'at ayef — ein bisschen müde
קְצָתktzatschwachein wenigktzat ayef — etwas müde
דַּיdaimittelziemlichdai tov — ziemlich gut
מְאוֹדme'odstarksehrme'od tov — sehr gut
כָּל כָּךְkol kakhsehr-emot.so (emphatisch)kol kakh yafe — so schön!
יוֹתֵר מִדַּיyoter midaiÜberschusszuyoter midai chamim — zu heiß

meod — „sehr"

ha-bayit meod gadol — das Haus ist sehr groß ani meod ohev otakh — ich liebe dich sehr

meod steht meist vor dem Adjektiv oder nach dem Verb.

In der Konversation oft verdoppelt: meod meod („sehr, sehr").

kol kakh — „so"

Emotionale Verstärkung, meist in Ausrufen:

ha-shir kol kakh yafe! — das Lied ist so schön! (הַשִּׁיר כָּל כָּךְ יָפֶה!) kol kakh kar ha-yom! — so kalt heute!

Häufig kombiniert mit she- (dass): kol kakh… she- = „so … dass":

hu kol kakh ayef she-hu yashen — er ist so müde, dass er schläft.

yoter midai — „zu"

„Zu (sehr)" ist ein Übermaß, jenseits der Norm. Das Hebräische sagt „mehr-nötig", wörtlich:

ha-kafe yoter midai cham — der Kaffee ist zu heiß ata medaber yoter midai maher — du sprichst zu schnell

In der Konversation oft nur midai: midai cham — „zu heiß".

ktzat — „ein wenig"

Abschwächer, das Gegenteil zu meod:

ani ktzat ayef — ich bin etwas müde ha-marak ktzat kar — die Suppe ist etwas kalt

Nicht verwechseln: meod, kol kakh, yoter midai

Du willst sagenVerwendeNicht verwenden
sehr (neutral)meodkol kakh (das ist schon Emotion)
so (emphatisch)kol kakhmeod (das ist nüchtern)
zu (negativ!)yoter midaimeod (das ist nur „sehr", ohne Nebenton „zu")
ziemlichdaimeod (das ist stärker)
etwasktzatdai (das ist schon nicht mehr „etwas")

Fallstrick für Deutschsprachige: „sehr müde" im Sinne von „zu müde, um …" → im Hebräischen ist meod ayef nur „sehr müde" (neutral). „Zu müde, um zu arbeiten" — yoter midai ayef la-avod. Feiner, aber wichtiger Unterschied.


Teil 6: Modaladverbien — wie genau?

HebräischTranslitDeutsch
לְאַטle'atlangsam
מַהֵרmaherschnell
יָפֶהyafeschön / gut (gemacht!)
טוֹבtovgut
רַעraschlecht
חָזָקchazakstark
חַלָּשׁchalashschwach
בְּקוֹלbe-kollaut (wörtl. „in-Stimme")
בְּשֶׁקֶטbe-sheketleise
בְּיַחַדbe-yachadzusammen
לְבַדlevadallein
כָּכָהkakhaso (umgangsspr.)
כָּךְkakhso (buchspr.)

Beachte: yafe wird im Hebräischen oft als Lob gesagt: „yafe meod!" = „klasse!", wörtlich „sehr schön". Das ist ein typisches Kompliment.


Teil 7: Frequenzadverbien — wie oft?

HebräischTranslitDeutsch
תָּמִידtamidimmer
כָּל פַּעַםkol pa'amjedes Mal
בְּדֶרֶךְ כְּלָלbe-derekh klalnormalerweise
לִפְעָמִיםlifamimmanchmal
לְעִתִּים קְרוֹבוֹתle-itim krovotoft (formell)
לְעִתִּים רְחוֹקוֹתle-itim rechokotselten (formell)
לְעוֹלָם לֹאle-olam lonie (mit Verb im Präsens/Futur)
אַף פַּעַם לֹאaf pa'am lonie (umgangssprachlich, mit jedem Tempus)
כְּבָרkvarschon
עֲדַיִןadayinnoch (immer noch)
עוֹד לֹאod lonoch nicht

le-olam lo / af pa'am lo — „nie"

Das Hebräische verlangt, ähnlich wie das Französische, eine doppelte Verneinung: „nie nicht". Im Deutschen reicht „nie".

hu le-olam lo medaber — er spricht nie (הוּא לְעוֹלָם לֹא מְדַבֵּר) ani af pa'am lo ra'iti et ze — ich habe das nie gesehen.

af pa'am wörtlich „nicht einmal". le-olam — „in Ewigkeit". Beide verlangen lo. Ohne lo funktionieren sie nicht.

Feinheit: le-olam lo eher mit Verben im Präsens/Futur, af pa'am lo — mit jedem, auch mit Präteritum. In der Konversation ist af pa'am lo universell.

tamid, kol pa'am, lifamim — Stellung im Satz

Diese Adverbien stehen vor dem Vollverb:

ani tamid shote kafe ba-boker — ich trinke immer morgens Kaffee hi lifamim ba la-bikur — sie kommt manchmal zu Besuch anachnu kol pa'am rotzim od — wir wollen jedes Mal noch mehr


Teil 8: Übersicht — Steigerung und Adverbien

KOMPARATIV:             [X] yoter [Adj.] mi-[Y]
                        ha-bayit yoter gadol me-ha-rekhev
                        (das Haus ist größer als das Fahrzeug)

SUPERLATIV buchspr.:    ha-[Subst.] ha-[Adj.] beyoter
                        ha-yom ha-tov beyoter (der beste Tag)

SUPERLATIV umgangsspr.: ha-[Subst.] ha-hachi [Adj.]
                        ha-yom ha-hachi tov

UNGLEICHHEIT:           lo yoter mi- (nicht mehr als)
                        pachot mi- (weniger als)
                        kmo (wie, so wie)

INTENSIFIKATOREN:       ktzat (etwas) < dai (ziemlich) < meod (sehr)
                        < kol kakh (so) < yoter midai (zu)

ADVERBIEN:              Eigene Wörter, keine Suffixe!
                        Modal: le'at, maher, yafe, tov, be-sheket
                        Frequenz: tamid, lifamim, kol pa'am, le-olam lo

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