Lektion 43: Kollokation — welche Wörter mit welchen gehen

So arbeitest du mit dieser Lektion

  1. Lies — verstehe die Idee der „Wortfreundschaften" und warum sie wichtiger ist als Grammatik (10 Minuten)
  2. Lerne Wörter nicht einzeln — lerne Paaremake + decision, strong + coffee, deeply + disappointed.
  3. Prüfe zweifelhafte Paare im Wörterbuch — Oxford Collocations Dictionary, oder einfach Google in Anführungszeichen: „make a decision" (Millionen), „do a decision" (fast null).
  4. Schreib deine eigenen Texte um — finde schwache Stellen, ersetze sie durch natürlichere Kollokationen.

Die Hauptidee der Lektion: Kollokation ist eine lexikalische Freundschaft. Wörter im Englischen „gehen in Paaren", und wer mit wem geht, ist ein Fakt über das Englische, keine Folge von Logik. Die wörtliche Übersetzung gibt oft eine Kollokations-Lehnübertragung, die grammatisch korrekt ist, aber niemand benutzt sie. Genau das ist die Wasserscheide zwischen B2 und C1.

Deutsche Parallele: Auch das Deutsche hat feste Wortpartnerschaften. Man sagt eine Entscheidung treffen (nicht „eine Entscheidung machen"), eine Frage stellen (nicht „geben"), einen Vertrag schließen (nicht „machen"). Du kennst das Phänomen aus deiner Muttersprache. Im Englischen lernst du nur eine neue Lexik — das Prinzip ist dir vertraut.


Teil 1: Was ist eine Kollokation

Kollokation ist eine feste Wortverbindung, die Muttersprachler genau so verwenden, während andere bedeutungsgleiche Kombinationen nicht verwendet werden.

Grammatik sagt, was erlaubt ist. Kollokation sagt, was üblich ist. Das sind verschiedene Dinge.

Das klassische Beispiel

„Eine Entscheidung treffen" auf Deutsch. Auf Englisch:

Grammatisch möglichWird benutzt?
make a decisionJA — das ist die Norm (riesige Häufigkeit)
take a decisionim britischen Englisch möglich, im amerikanischen — nein
do a decisionNEIN — niemand sagt das so
have a decisionNEIN
give a decisionNEIN (obwohl „give a verdict" — ja)

Alle vier „falschen" Varianten sind grammatisch korrekt (subject + verb + object). Aber niemand benutzt sie. Das ist Kollokation.

Noch ein Beispiel: „starker Regen"

Dem Sinn nachAuf Englisch
Regen ist starkheavy rain (NICHT strong rain)
Tee ist starkstrong tea (NICHT heavy tea)
Kaffee ist starkstrong coffee
Geruch ist starkstrong smell
Schmerz ist starksevere pain oder sharp pain (NICHT strong pain)
Wind ist starkstrong wind oder high wind
Schneefall ist starkheavy snowfall (NICHT strong snowfall)

Im Deutschen hat „stark" einen einzigen Adjektiv-Nachbarn für alles. Englisch verteilt die Nachbarn auf verschiedene Wörter: Regen und Schnee mit heavy, Tee und Wind mit strong, Schmerz mit severe. Das ist keine Regel — das ist ein Faktum der Lexik, das Fall für Fall gelernt wird.

Warum das für einen deutschen Sprecher kritisch ist: Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Deutschen erzeugt Anti-Kollokationen — Kombinationen, die für einen Engländer wie „viele Haus" statt „Hochhaus" klingen. Sie werden verstanden, aber man hört sofort, dass es kein Muttersprachler ist.


Teil 2: Die wichtigsten Kollokationsmodelle

Im Englischen gehen hochfrequente Kollokationen nach mehreren Modellen. Es lohnt sich, sie direkt nach Modell zu lernen.

Modell 1: verb + noun (Verb + Substantiv)

Sehr häufig. Welches Verb nimmt welches Substantiv.

VerbNimmt (collocates)
makea decision, a mistake, an effort, a difference, progress, a phone call, a noise, friends, money, an excuse, a promise
dohomework, the dishes, business, harm, damage (aber damage öfter mit cause), one's best, a favour, exercise, research
takea photo, a break, a shower, a seat, the bus, advantage of, time, a chance, responsibility, a risk
havebreakfast / lunch / dinner, a shower, a baby, a problem, fun, a chat, a feeling, a look, a try, a meeting
givea speech, a presentation, advice, a hand, permission, a chance, a hug, a smile, a try
payattention, a visit, a compliment, respect, the price, a bill, taxes
keepa promise, a secret, calm, control, in touch, the change

Die wichtigste „make vs do"-Faustregel: make — man erschafft etwas Neues, eine Veränderung, ein Produkt; do — man führt eine etablierte Handlung, Pflicht aus. Aber viele Ausnahmen — am besten in Paaren lernen.

Modell 2: adjective + noun (Adjektiv + Substantiv)

AdjektivNimmt
strongtea, coffee, smell, wind, opinion, accent, evidence, point
heavyrain, snow, traffic, smoker, drinker, sleeper, meal, loss
deepsleep, breath, sorrow, voice, river, water, knowledge
highprice, quality, standard, hopes, speed, blood pressure
severepain, weather, criticism, problem, illness
bitterdisappointment, cold, taste, end, enemy
broadsmile, daylight, sense, agreement, knowledge
narrowescape, margin, victory, mind

Modell 3: adverb + adjective (Adverb + Adjektiv)

Verstärker: welche Adverbien mit welchen Adjektiven funktionieren.

AdverbNimmt
highlylikely, unlikely, recommended, qualified, skilled, successful
deeplydisappointed, sorry, in love, religious, concerned, moved
fullyaware, prepared, equipped, understand, agree, satisfied
perfectlyclear, fine, normal, willing, capable, safe
utterlyridiculous, exhausted, impossible, useless
bitterlydisappointed, cold, regret
stronglybelieve, agree, disagree, recommend, suspect
completelydifferent, wrong, free, satisfied, agree

Beachte: deeply disappointed, aber nicht deeply tired (es braucht utterly exhausted). Strongly believe, aber nicht strongly hope (es braucht really hope). Das ist nicht vorhersagbar — lerne es auswendig.

Modell 4: verb + adverb (Verb + Adverb)

VerbHäufig mit
apologisesincerely, profusely
recommendstrongly, highly, warmly
regretdeeply, bitterly
missterribly, badly
needdesperately, badly
failmiserably, utterly
succeedbrilliantly
lovedearly, deeply

Modell 5: noun + noun (Substantiv + Substantiv)

Häufig als „X attack", „X system", „X policy":

PaarBedeutung
heart attackHerzinfarkt
traffic jamStau
brain wavegeniale Idee
job interviewVorstellungsgespräch
peace talksFriedensverhandlungen
safety measuresSicherheitsmaßnahmen

Teil 3: „machen" auf Deutsch — vier Verben auf Englisch

Eine der auffälligsten Kollokationsfallen für deutsche Sprecher: dem deutschen „machen / tun" entsprechen im Englischen vier Verben (make, do, take, have), und jedes von ihnen zieht seine eigenen Substantive an. Geh diese Tabelle sorgfältig durch:

DeutschEnglisch
eine Entscheidung treffen / machenmake a decision
einen Fehler machenmake a mistake
einen Versuch machen / unternehmenmake an attempt
Fortschritte machenmake progress
einen Anruf machen / tätigenmake a phone call
Hausaufgaben machendo (one's) homework
die Arbeit tun / machendo the work
eine Übung machendo an exercise
ein Foto machentake a photo
eine Pause machentake a break
duschentake / have a shower
frühstückenhave breakfast
Atem holentake a breath
eine Wahl treffenmake a choice
eine Schlussfolgerung ziehendraw a conclusion
ein Kompliment machenpay a compliment
jemandem einen Gefallen tundo (someone) a favour
einen Vorschlag machenmake a suggestion
einen Antrag machen (Heirat)propose (oder: make a proposal)

Tipp: Wenn du „machen [N]" sagen willst, halt inne und überlege, welches Verb dieses N nimmt. Wenn du es nicht weißt — probier make als „sicheren Default". Meistens funktioniert es.


Teil 4: Anti-Kollokationen — typische Fehler deutscher Sprecher

Die häufigsten „Lehnübertragungen", die einen sofort als Übersetzer aus dem Deutschen entlarven.

Lehnübertragung (falsch)Richtig
strong rainheavy rain
big rainheavy rain
strong painsevere / sharp pain
do a decisionmake a decision
do a mistakemake a mistake
do progressmake progress
make my homeworkdo my homework
make a phototake a photo
make a showertake / have a shower
tall mountain (kein Fehler, aber high häufiger)high mountain
much happyvery happy (much nicht mit Adj. im Aussagesatz)
answer to the questionanswer the question (ohne to)
listen the musiclisten to the music (mit to)

Teil 5: Sprachgamma — „make" durch die Objekte

Laut durchgehen. Ein Verb + 10 Substantive:

I make a decision.
I make a mistake.
I make an effort.
I make progress.
I make a difference.
I make a phone call.
I make a noise.
I make friends.
I make money.
I make a promise.

Und jetzt dasselbe mit do + 5 Substantive:

I do my homework.
I do the dishes.
I do business.
I do my best.
I do you a favour.

Und take + 5:

I take a photo.
I take a break.
I take a shower.
I take the bus.
I take a risk.

Beachte: In keinem dieser Paare gibt es „Logik". Es sind einfach gelernte Paare.


Nächster Schritt: Lektion 44 — Idiome und feste Wendungen. Bildhafte Sprache, Metaphern, kulturell aufgeladene Ausdrücke. Zehnmal mehr erkennen als produzieren — das ist das Hauptprinzip der Idiomatik.

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