Lektion 28: Zahlwörter — das „umgedrehte" System. Ordinalzahlen. Uhrzeit. Datum

So arbeitest du mit dieser Lektion

  1. Lies — verstehe die Hauptfalle: Hebräisch „dreht" die Endung -ah gegenüber dem, was deine Intuition als Deutschsprachiger nahelegt, um (5 Minuten).
  2. Pauke Paare — Zahlen 3–10 lernst du paarweise (m./w.), wie du einmal Begrüßungen gelernt hast. Sonst ist Verwirrung garantiert.
  3. Sprich laut aus — jede Zahl mit einem realen Nomen: shlosha sfarim, shalosh banot, chamisha yeladim, chamesh banot. Besser zehn echte Paare als eine trockene Tabelle.
  4. Uhrzeit und Datum — eigener Übungsblock. Das brauchst du täglich und genau hier hängt man als Deutschsprachiger gern.

Hauptziel der Lektion: das richtige Genus der Zahl automatisch wählen, ohne nachzudenken. Das ist der kontraintuitivste Brocken hebräischer Grammatik für das deutsche Auge. Setze auf Wiederholung.


Teil 1: ACHTUNG — das „umgedrehte" Zahlensystem im Hebräischen

Zahlen von 3 bis 10 haben im Hebräischen ZWEI Formen, und die Wahl folgt einer Regel, die einem Deutschsprachigen gegenteilig zur Erwartung erscheint.

Auswahlregel (für immer merken):

  • Nomen maskulin → Zahl mit Endung -ah (lange Form): shlosha, arba'a, chamisha.
  • Nomen feminin → Zahl OHNE -ah („nackte" Form): shalosh, arba, chamesh.

Moment mal — aber -ah ist doch die typisch weibliche Endung im Hebräischen (mora „Lehrerin" w., yalda „Mädchen" w.)?! Genau. Und trotzdem ist es bei Zahlen umgekehrt: -ah hängt sich an männliche Zahlen.

Demonstration an zwei Beispielen

Was wird gezähltGenus des NomensZahlTranslit
Bücher (sfarim)m.שלושה ספריםshlosha sfarim „drei Bücher"
Mädchen (banot)w.שלוש בנותshalosh banot „drei Mädchen"
Jungen (yeladim)m.חמישה ילדיםchamisha yeladim „fünf Jungen"
Mädchen (banot)w.חמש בנותchamesh banot „fünf Mädchen"

Logik für Deutschsprachige: im Deutschen haben alle Zahlen eine Form (drei Bücher / drei Jungen / drei Mädchen — überall „drei"). Allein die Idee, dass eine Zahl sich nach dem Genus richtet, ist schon ungewohnt. Dass die Wahl auch noch „umgedreht" ist — doppelte Belastung. Versuch nicht zu „verstehen" — pauke Paare und sprich sie mit echten Nomen aus.

Woher die „Umkehrung" — kurze historische Notiz (1 Absatz, nicht mehr)

Im Prosemitischen waren Zahlen 3–10 von Natur aus weiblich (als abstrakte Namen) und kongruierten mit dem Gezählten nach dem Prinzip der polaren Kongruenz: an ein maskulines Nomen — die weibliche Zahlform, an ein feminines — die männliche. Im modernen Hebräisch wurde dieses System umgedeutet: die historisch-weibliche Form mit -ah gilt jetzt als „maskulin". Was wie ein weibliches Suffix aussieht, ist also ein Relikt der alten „polaren" Kongruenz. Das musst du dir nicht merken, merken musst du dir nur die Regel oben.

Die Zahlen 1 und 2 — eine eigene Geschichte

Die Zahlen 1 und 2 verhalten sich nicht wie 3–10:

  • 1 verhält sich wie ein Adjektiv: steht nach dem Nomen und kongruiert im Genus.

    • sefer echad „ein Buch" (m. — echad)
    • mora achat „eine Lehrerin" (w. — achat)
  • 2 hat zwei Formen je nach Genus des Nomens und steht vor ihm. In Verbindung mit dem Nomen wird „-ayim" zu shnei (m.) / shtei (w.) verkürzt:

    • shnei sfarim „zwei Bücher" (m., volle Form shnayim → shnei vor dem Nomen)
    • shtei morot „zwei Lehrerinnen" (w., shtayim → shtei vor dem Nomen)
    • Einfach „zwei" (Zählen ohne Nomen): shnayim / shtayim.

Merke: echad/achat (1) und shnei/shtei (2) sind so kongruiert wie deutsches „ein/eine" — also w. Form mit -t/-ah, wie gewohnt. Nur die Zahlen 3–10 gehen „umgedreht".


Teil 2: Vollständige Tabelle der Zahlen 1–10 in beiden Genera

#m. — lang (-ah)Translitw. — kurz (ohne -ah)Translit
1אחדechadאחתachat
2שניים / שניshnayim / shneiשתיים / שתיshtayim / shtei
3שלושהshloshaשלושshalosh
4ארבעהarba'aארבעarba
5חמישהchamishaחמשchamesh
6שישהshishaששshesh
7שבעהshiv'aשבעsheva
8שמונהshmonaשמונהshmone
9תשעהtish'aתשעtesha
10עשרהasaraעשרeser

Bemerke die Kuriosität bei 8: in beiden Genera schreibt man שמונה, aber liest unterschiedlich. Maskulin shmona (mit -ah am Ende), feminin shmone (ohne -ah, Vokal „e"). Ein und dasselbe Schriftbild — zwei Lesungen, die nach dem Genus des Nomens gewählt werden.

Beim einfachen Zählen

Wenn du einfach durchzählst („eins, zwei, drei, vier…") — ohne Nomen, etwa beim Zählen von Schritten oder Lebensjahren in Zählform — wird die weibliche Form benutzt: achat, shtayim, shalosh, arba, chamesh, shesh, sheva, shmone, tesha, eser. Man geht davon aus, dass ein unsichtbares „Stück" mitgedacht wird — und das ist ein w. Wort.


Teil 3: Zahlen 11–19, 20, 30… 100, 1000

11–19

Bildung nach Schema „Einheit + esre/asar", wobei esre = weibliche Form von „10", asar = männliche.

#m. (mit asar)Translitw. (mit esre)Translit
11אחד עשרachad asarאחת עשרהachat esre
12שנים עשרshneim asarשתים עשרהshteim esre
13שלושה עשרshlosha asarשלוש עשרהshlosh esre
14ארבעה עשרarba'a asarארבע עשרהarba esre
15חמישה עשרchamisha asarחמש עשרהchamesh esre
16שישה עשרshisha asarשש עשרהshesh esre
17שבעה עשרshiv'a asarשבע עשרהshva esre
18שמונה עשרshmona asarשמונה עשרהshmone esre
19תשעה עשרtish'a asarתשע עשרהtsha esre

Wieder umgedreht: m. mit „asar" (kürzer), w. mit „esre" (länger). Merke: asar — männliche „10", esre — weibliche „10".

Zehner 20–100 (eine Form für beide Genera)

Gute Nachricht: Zehner größer als 10 unterscheiden das Genus nicht. Eine Form für alle.

#HebräischTranslit
20עשריםesrim
30שלושיםshloshim
40ארבעיםarba'im
50חמישיםchamishim
60שישיםshishim
70שבעיםshiv'im
80שמוניםshmonim
90תשעיםtish'im
100מאהme'a
200מאתייםmatayim
1000אלףelef
2000אלפייםalpayim

Zusammengesetzte Zahlen

Zehner werden mit Einern durch ve- („und") verbunden. Die Einheit in einer zusammengesetzten Zahl kehrt zum Genus zurück:

  • esrim ve-echad sfarim (21 Bücher, m.) — echad für m.
  • esrim ve-achat banot (21 Mädchen, w.) — achat für w.
  • shloshim ve-shalosh banot (33 Mädchen)
  • shloshim u-shlosha sfarim (33 Bücher; ve- vor Labial wird u-)

Regel: in einer zusammengesetzten Zahl ändert sich die abschließende Einheit nach Genus; der Zehner ist neutral. Genauso bei Hundertern: me'a (100), matayim (200), dann shlosh me'ot (300), arba me'ot (400) — me'ot ist hier w., daher die kurzen Zahlen.


Teil 4: Ordinalzahlen (erster, zweiter, dritter…)

Ordinalzahlen sind Adjektive und kongruieren mit dem Nomen in Genus und Numerus, wie normale Adjektive. Sie stehen nach dem Nomen (wie alle Adjektive im Hebräischen) und werden oft vom Artikel ha- begleitet.

#m.Translitw.Translit
1.ראשוןrishonראשונהrishona
2.שניsheniשנייהshniya
3.שלישיshlishiשלישיתshlishit
4.רביעיrevi'iרביעיתrevi'it
5.חמישיchamishiחמישיתchamishit
6.שישיshishiשישיתshishit
7.שביעיshvi'iשביעיתshvi'it
8.שמיניshminiשמיניתshminit
9.תשיעיtshi'iתשיעיתtshi'it
10.עשיריasiriעשיריתasirit

Regelmäßigkeiten

  • Die meisten männlichen Ordinalzahlen: Wurzel + Modell -i am Ende (shlishi, revi'i, chamishi…). Das ist der Mischkal „Beziehung / Reihenfolge".
  • Die meisten weiblichen: dasselbe Modell schließt mit -it (shlishit, revi'it, chamishit…).
  • Ausnahmen oben: „erster/erste" — rishon/rishona (eigene Wurzel ר-א-ש, „Kopf"), nicht von „eins". „Zweiter/zweite" — sheni/shniya (von der Wurzel ש-נ-ה, „Wiederholung"), w. shniya (nicht shenit).

Ordinalzahlen jenseits von 10

Über die 10 hinaus gibt es keine eigene Form. Man benutzt die Konstruktion „ha- + Kardinalzahl":

    1. (Etage): ha-komah ha-achat esre „11. Etage" (komah — Etage, w.; Zahl in w. Form) — wörtlich „Etage die-elfte".
    1. Jahrhundert: ha-me'a ha-esrim „20. Jahrhundert" (me'a — Jahrhundert, w.).

Bemerke: der Artikel wird sowohl beim Nomen als auch bei der Zahl wiederholt — die normale Regel der Bestimmtheits-Kongruenz im Hebräischen (siehe L9).

Anwendung

  • ha-yom ha-rishon „der erste Tag" = Sonntag (Tag — m., yom).
  • ha-shana ha-shniya „das zweite Jahr" (Jahr — shana, w.).
  • ha-perek ha-shlishi „das dritte Kapitel" (perek — Kapitel, m.).
  • ha-pa'am ha-revi'it „das vierte Mal" (pa'am — Mal, w.).

Kontrast zu Kardinalzahlen: „drei Bücher" = shlosha sfarim (Kardinal, ohne Artikel). „Das dritte Buch" = ha-sefer ha-shlishi (Ordinal = Adjektiv, zwei Artikel).


Teil 5: Uhrzeit

Nach der Uhrzeit fragen

מה השעה?ma ha-sha'a? — „Wie spät ist es?" (wörtlich „was — die Stunde?", sha'a — Stunde, w.)

Eine volle Stunde nennen

„Stunde" (sha'a) ist w. Deshalb stehen die Stundenzahlen im Femininum:

  • achat „eins" (eine Stunde) — sha'a achat
  • shtayim „zwei" (Stunden)
  • shalosh „drei"
  • arba „vier"
  • chamesh „fünf"
  • shesh „sechs"
  • sheva „sieben"
  • shmone „acht"
  • tesha „neun"
  • eser „zehn"
  • achat esre „elf"
  • shteim esre „zwölf"

Vollform: ha-sha'a chamesh „es ist fünf Uhr", oder einfach chamesh im Gespräch.

Halbe Stunden und Viertel

  • chetzi — Hälfte (von „Hälfte", chetzi — m.)
  • reva — Viertel
ZeitHebräischAussprache
5:00חמשchamesh
5:15חמש ורבעchamesh va-reva (fünf und Viertel)
5:30חמש וחציchamesh va-chetzi (fünf und Hälfte)
5:45רבע לששreva le-shesh (Viertel zu sechs)
5:50עשרה לששasara le-shesh (zehn zu sechs) — Achtung: „10 Minuten" — daka, m., daher asara, m.!
5:10חמש ועשרהchamesh va-asara (fünf und zehn)

Feinheit: wenn du „X Minuten zu/nach so-und-so Stunde" sagst, sind die Minuten mitgedacht (daka — Minute, w.; daka echat, shtei dakot…), aber in der echten Umgangssprache lässt man sie weg und behält nur die nackte Zahl. Diese Zahl ist dann maskulin (asara, nicht eser), weil die mitgedachte „Anzahl der Minuten" durch eine konventionalisierte Zählung als m. läuft.

Dieser Widerspruch ist real und lebendig: formal ist daka w., aber im Alltag „zehn Minuten (vor)" = asara (m.). Lerne als Faktum, leite es nicht ab.

Morgen / Tag / Abend / Nacht

  • ba-boker — morgens (bis 12:00)
  • ba-tsohorayim — am Mittag (12:00–14:00)
  • acharei ha-tsohorayim — am Nachmittag (14:00–17:00)
  • ba-erev — am Abend (17:00–22:00)
  • ba-layla — in der Nacht

chamesh ba-boker „5 Uhr morgens" vs. chamesh acharei ha-tsohorayim „5 Uhr nachmittags" (oder einfach chamesh ba-erev).


Teil 6: Datum

Wochentage (1. = Sonntag!)

Hebräisch zählt die Wochentage über Ordinalzahlen: „Tag eins" = Sonntag.

HebräischTranslitDeutsch
יום ראשוןyom rishonSonntag (Tag eins)
יום שניyom sheniMontag (Tag zwei)
יום שלישיyom shlishiDienstag
יום רביעיyom revi'iMittwoch
יום חמישיyom chamishiDonnerstag
יום שישיyom shishiFreitag
שבתshabatSamstag (eigenes Wort, nicht „Tag sieben")

Falle: Sonntag = „yom rishon", nicht Samstag. Die Woche beginnt im Hebräischen mit Sonntag. Die deutsche Wahrnehmung „Montag = erster Tag der Woche" ist hier verschoben.

Monate (gregorianischer Kalender)

Im modernen Israel werden im zivilen Alltag Lehnwörter benutzt (parallel gibt es den jüdischen Kalender — tishrei, cheshvan usw. — für religiöse und nationale Daten):

#HebräischTranslit
1ינוארyanuar
2פברוארfebruar
3מרץmerts
4אפרילapril
5מאיmai
6יוניyuni
7יוליyuli
8אוגוסטogust
9ספטמברseptember
10אוקטוברoctober
11נובמברnovember
12דצמברdetsember

Datum nennen

Schema: „Zahl + be- + Monat" oder „ha- + Zahl + be- + Monat". Die Tageszahl ist maskulin, weil yom (Tag) m. ist.

  • ha-rishon be-yanuar — 1. Januar (Ordinal, m., mit Artikel)
  • ha-shloshim be-yanuar — 30. Januar (für Tage > 10: Kardinal mit Artikel, ebenfalls m.)
  • shlosha be-merts — 3. März (umgangssprachlich — Kardinal ohne Artikel)
  • ha-arba'a esre be-februar — 14. Februar
  • ha-yom ha-shlishi be-yanuar oder einfach ha-shlishi be-yanuar — „der dritte Januar".

Jahr

Jahreszahlen liest man als normale Zahlen:

  • alpayim ve-esrim ve-shesh — 2026 (zweitausend und zwanzig und sechs; „Jahr" shana — w., aber im Rahmen einer Datumsangabe werden die Jahreszahlen als „nackte" w. Zahlen ausgesprochen).
  • be-shnat alpayim ve-esrim ve-shesh — „im Jahr 2026" (shnat — Konstruktform von shana).

Vollständiges Datum: ha-rishon be-yanuar, alpayim ve-esrim ve-shesh — 1. Januar 2026.


Teil 7: Mengenwörter (viel, wenig, ein bisschen, einige)

Das sind keine Zahlen, sondern Quantoren. Sie unterscheiden das Genus nicht, stehen vor dem Nomen (wie Zahlen 3–10).

HebräischTranslitDeutschAnmerkung
הרבהharbevieluniversell
מעטme'atwenigbuchsprachlich-neutral
קצתktsatein wenig / etwassehr umgangssprachlich
כמהkamawie viel / einigeFrage UND „einige"
הרבה מאודharbe me'odsehr vielVerstärkung
מספיקmaspikgenug
כלkolganz / jeder+ Nomen ohne Artikel = „jeder", + Nomen mit Artikel = „ganz/alle"
רובrovdie Mehrheitrov ha-yeladim „die Mehrheit der Kinder"
חציchetziHälftechetzi ha-yom „halber Tag"

Beispiele

  • harbe sfarim „viele Bücher" — harbe + Pl.
  • me'at zman „wenig Zeit" — me'at + Nicht-Zählbares (zman — Zeit, m., Sg.)
  • ktsat mayim „etwas Wasser" — mayim — Wasser, formal Pl., aber nicht zählbar
  • kama yeladim? „wie viele Kinder?" — Frage
  • kama yeladim „einige Kinder" — ohne Frageintonation
  • kol yeled „jedes Kind" — kol + Nomen ohne Artikel
  • kol ha-yeladim „alle Kinder" — kol + Nomen mit Artikel

Merk: anders als Zahlen 3–10 kongruieren diese Wörter nicht im Genus. Sie sind „neutral". Das ist eine Entlastung — entspann dich.


Teil 8: Alter

Schema: „er — Sohn / sie — Tochter von so vielen Jahren".

  • Hu ben chamesh esre. — „Er ist 15 Jahre alt" (er — Sohn von fünfzehn; ben — Sohn; Zahl in w., weil shana — Jahr — w.).
  • Hi bat chamesh esre. — „Sie ist 15 Jahre alt" (sie — Tochter von fünfzehn; bat — Tochter).
  • Ben kama ata? / Bat kama at? — „Wie alt bist du?" (m./w.)
  • Ani bat shloshim. — „Ich bin 30" (sagt eine Frau).

Feinheit: die Zahl steht hier im Femininum, weil shana (Jahr) w. ist und mitgedacht wird. chamesh (5 Jahre), esrim (20 Jahre), shloshim ve-shtayim (32 Jahre, w., weil shana w. ist).


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