Lektion 28: Relativsätze (relative clauses)

Wie du mit dieser Lektion arbeitest

  1. Lies — verstehe die fünf Wörter und die eine Komma-Regel (5 Minuten).
  2. Verbinde — kleb jeden kurzen Satz an einen anderen über who, which, that.
  3. Sprich laut — achte auf die Intonation: bei non-defining setzt du eine Pause am Komma; bei defining nicht.

Das ist der erste Schritt zum komplexen Satz. Bis jetzt hast du kurze Sätze geschrieben: „Das ist mein Freund. Er wohnt in Berlin." Heute lernst du zu verkleben: This is my friend who lives in Berlin.


Teil 1: Was ist ein Relativsatz

Nimm zwei einfache Sätze:

The man is my brother. The man is standing over there.

Beide handeln vom selben Menschen. Damit „the man" nicht doppelt vorkommt, verbindet das Englische sie über ein Relativpronomen (who) und macht den zweiten zum Nebensatz, der das Substantiv im ersten beschreibt:

The man who is standing over there is my brother.

Das ist ein relative clause — ein Nebensatz, der ein Substantiv beschreibt und über eines von fünf Wörtern angehängt wird:

PronomenErsetztBeispiel
whoPersonthe woman who works here
whichSache, Tier, Ideethe book which I read
thatPerson ODER Sache (informell)the woman that works here / the book that I read
whereOrtthe city where I grew up
whoseZugehörigkeitthe man whose car is red

Hammerregel: who — für Personen, which — für Nicht-Personen, that — universell, aber nur in definierenden Nebensätzen (siehe unten).

Parallele zum Deutschen: Deutsch hat Relativsätze ebenfalls — der, die, das, welche. Du kennst die Konstruktion schon aus dem Deutschen. Neu im Englischen sind: (1) die Trennung „Person vs. Sache" (Deutsch unterscheidet das nicht), (2) die Komma-Regel (defining vs. non-defining), (3) das mögliche Weglassen des Pronomens.


Teil 2: who, which, that — die drei Hauptpronomen

who für Personen

I know a girl who speaks five languages. Ich kenne ein Mädchen, das fünf Sprachen spricht.

which für Sachen und Ideen

This is the book which changed my life. Das ist das Buch, das mein Leben verändert hat.

that — universell, aber nur in defining

The man that I met yesterday is a doctor. Der Mann, den ich gestern getroffen habe, ist Arzt.

The film that we watched was boring. Der Film, den wir gesehen haben, war langweilig.

Hinweis für Deutschsprachige: im Deutschen unterscheidet der/die/das nur das Genus, nicht „Mensch oder Ding". Im Englischen ist diese Aufteilung der zentrale Punkt: Person → who, Nicht-Person → which, oder that für beide in defining.


Teil 3: where und whose — für Ort und Zugehörigkeit

where — für den Ort

That's the café where we first met. Das ist das Café, wo wir uns zum ersten Mal getroffen haben.

Germany is the country where I was born. Deutschland ist das Land, wo ich geboren wurde.

where ersetzt „in/an/bei diesem Ort", deshalb ist keine Präposition im Nebensatz nötig: „in which" geht, aber üblich ist where.

whose — für Zugehörigkeit

I know a man whose son is a famous actor. Ich kenne einen Mann, dessen Sohn ein berühmter Schauspieler ist.

That's the house whose roof is red. Das ist das Haus, dessen Dach rot ist.

whose heißt nicht nur „wessen"; es ist jede Zugehörigkeit. Anwendbar auf Personen und Sachen. Im Englischen gibt es nur eine Form für alle Genera — keine Deklination wie deutsches dessen/deren.


Teil 4: Defining vs non-defining — die zentrale Komma-Regel

Das ist der zentrale Unterschied der Lektion. Im Englischen ändert das Komma die Bedeutung.

Defining (definierend) — ohne Kommas

Der Nebensatz ist nötig, um zu verstehen, von wem/was die Rede ist. Lässt du ihn weg, wird der Satz unklar.

The man who lives next door is a doctor. Der Mann, der nebenan wohnt, ist Arzt.

Ohne „who lives next door" weiß man nicht, welcher von vielen Männern gemeint ist. Der Nebensatz definiert.

Non-defining (nicht definierend) — MIT Kommas

Der Nebensatz gibt zusätzliche Information. Lässt du ihn weg, bleibt der Satz sinnvoll.

My father, who lives in Berlin, is a doctor. Mein Vater, der in Berlin wohnt, ist Arzt.

„My father" ist auch ohne Nebensatz klar — jeder hat einen Vater. Die Kommas zeigen: das ist eine Ergänzung, keine Einschränkung.

Vergleiche an einem Substantiv

Defining (ohne Kommas)Non-defining (mit Kommas)
My sister who lives in London is a teacher.My sister, who lives in London, is a teacher.
(Ich habe mehrere Schwestern — Präzisierung nötig.)(Ich habe eine Schwester — die Info über London ist nebenbei.)

Wichtige Regel: in non-defining darf man nicht that benutzen. Nur who, which, where, whose.

Falsch: My father, that lives in Berlin… Richtig: My father, who lives in Berlin…

Wichtig — das ist neu gegenüber dem Deutschen: im Deutschen setzt du sowieso immer ein Komma vor den Relativsatz, egal ob er definiert oder ergänzt. Im Englischen ist das Komma bedeutungstragend: ohne Komma = einschränkend, mit Komma = ergänzend. Das musst du aktiv lernen — die deutsche Gewohnheit „immer Komma" funktioniert hier nicht.

Intonation: bei non-defining hörst du Pausen (dort, wo die Kommas stehen); bei defining keine — der Nebensatz „klebt" am Substantiv.


Teil 5: Wann das Relativpronomen weggelassen werden kann

In defining Nebensätzen kann das Pronomen weggelassen werden, wenn es Objekt im Nebensatz ist, nicht Subjekt.

Kann weggelassen werden (Pronomen = Objekt)

The book (that) I read was great. „I" ist Subjekt des Nebensatzes, that ist Objekt → kann weg.

The man (who/that) I met yesterday. „I" ist Subjekt, who/that ist Objekt → kann weg.

Kann nicht weggelassen werden (Pronomen = Subjekt)

The book which changed my life. which ist Subjekt des Nebensatzes → kann nicht weg.

The man who lives next door. who ist Subjekt → kann nicht weg.

Test: steht nach dem Pronomen ein „er/sie/es"?

  • The book that I read — nach that kommt ein Subjekt (I) → Pronomen kann weg.
  • The book that changed my life — nach that kommt ein Verb (changed) → nicht weg.

In non-defining kann das Pronomen nie weggelassen werden: My father, who lives in Berlin,…who ist Pflicht.

Achtung — das gibt es im Deutschen nicht: im Deutschen kannst du das Relativpronomen niemals weglassen („Das Buch, das ich gelesen habe" — das ist Pflicht). Im Englischen geht The book I read völlig normal. Diesen neuen Reflex musst du dir antrainieren.


Teil 6: Pronomen + Präposition

Im gesprochenen Englisch wandert die Präposition ans Ende des Nebensatzes:

The man (who) I was talking to is a lawyer. Der Mann, mit dem ich gesprochen habe, ist Anwalt.

The house (that) we lived in was very old. Das Haus, in dem wir gewohnt haben, war sehr alt.

Im formellen Englisch kann die Präposition vorne stehen, aber dann darf man nicht that benutzen — nur whom (für Personen) oder which:

The man to whom I was talking is a lawyer. (formell) The house in which we lived was very old. (formell)

Auf B1 — lass die Präposition am Ende. Das ist natürliches Englisch.

Feinheit: im strengen formellen Schreiben verwendet man nach einer Präposition whom, nicht who: the man to whom I was talking. In der gesprochenen Sprache ist whom fast verschwunden; the man who I was talking to oder the man I was talking to sind die Norm.

Deutsch-Falle: im Deutschen sagst du „der Mann, mit dem ich gesprochen habe" — Präposition vorne. Im Englischen rutscht sie am Ende: the man (who) I was talking to. Diese Wortstellung ist die natürliche, auch wenn sie deinem deutschen Ohr „abgehackt" vorkommt.


Teil 7: Zusammenfassung — drei Fallstricke für Deutschsprachige

  1. Englisches Relativpronomen unterscheidet Person/Sache. Schreib nicht the book who — das ist für Personen. Nur which oder that.

  2. Kommas sind Bedeutung, keine Pflicht. The sister who lives in London (eine von mehreren Schwestern) ≠ the sister, who lives in London, (die einzige). Im Deutschen entscheidest du das mit Kommas nicht — im Englischen schon.

  3. Im Deutschen kannst du das Pronomen nie weglassen, im Englischen oft schon. The book I read yesterday ist normales Englisch. Dir kommt es vor wie eine fehlende Verbindung — ist aber korrekt.


Nächster Schritt: Lektion 29 — die komplexe Nominalphrase und der dritte Durchgang zu den Artikeln. Du lernst, „alle diese drei alten großen roten Bücher" korrekt zu bauen, und wieder Artikel — diesmal mit abstrakten und generischen Substantiven.

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