Lektion 1: Laute, Rechtschreibung und das englische Alphabet

Wie du mit dieser Lektion arbeitest

  1. Lies — versteh die Hauptsache (5 Minuten). Englisch ist keine phonetische Sprache, das ist die erste und wichtigste Tatsache.
  2. Sprich laut — jeden Laut, jeden Buchstaben, jedes Wort dreimal. Englisch verlangt eine neue Artikulation: die interdentalen th, das labiale w, das kurze i, das offene æ.
  3. Trainier dein Ohr — hör jedes mit <say>…</say> markierte Wort. In dieser Phase trau nicht der Schrift — trau dem Klang.
  4. Beschleunige — wiederhole, bis die 26 Buchstaben und Zahlen 0–20 in 30 Sekunden durchlaufen.

Das Alphabet kennen = 5 %. Mund und Ohr trainieren = 95 %. Diese Lektion ist die einzige im ganzen Kurs, bei der die Aufgabe fast rein phonetisch ist. Überspring sie nicht. Ohne erkennbare Laute steckt alles Weitere fest.


Teil 1: Die Hauptsache über das Englische

Englisch ist nicht phonetisch. Ein Wort wird so geschrieben und anders gelesen. Und oft geben dieselben Buchstaben in verschiedenen Wörtern verschiedene Laute.

Das ist kein Kosmetikum — das ist ein Umsturz des mentalen Modells. Deutsch ist weitgehend phonetisch: Auto liest sich „Auto", und ein o bleibt ein o. Im Englischen gibt der Buchstabe a in den Wörtern cat, car, about, any, name fünf verschiedene Laute. Endlos die Schrift „entschlüsseln" funktioniert nicht — du musst den Klang des ganzen Wortes lernen.

Praktische Folge: jedes neue Wort lernst du als Paar „Klang + Schreibung", nicht als Schreibung, aus der du den Klang „herleitest".

Zweitens:

Das Alphabet hat 26 Buchstaben. Vokalbuchstaben gibt es nur 5 (a, e, i, o, u), plus y — manchmal Vokal. Aber Vokal-Laute gibt es im Englischen rund 20. Das Missverhältnis ist enorm.

Und drittens — für den Deutschsprachigen das Knifflige:

Im Englischen gibt es Laute, die es im Deutschen nicht gibt. Die musst du neu aufbauen, nicht durch deutsche Annäherungen ersetzen. Die wichtigsten: die interdentalen th, das bilabiale w (nicht zu verwechseln mit dem labiodentalen v), das kurze i (nicht das deutsche „i"), das offene æ (nicht das deutsche „ä").


Teil 2: Das Alphabet — 26 Buchstaben

Jeder Buchstabe hat einen Namen (wie deutsches „be", „ce") und einen Laut (oft mehrere). Den Namen brauchst du, um buchstabieren zu können (spelling) — das macht man in England und Amerika ständig: Vorname am Telefon, Nachname am Empfang, E-Mail an Kollegen.

BuchstabeNameLautschrift (etwa)
A aAei
B bBbi
C cCßi
D dDdi
E eEi
F fFäf
G gGdschi
H hHeitsch
I iIai
J jJdschei
K kKkei
L lLäl
M mMäm
N nNän
O oOou
P pPpi
Q qQkju
R rRaa (BrE) / aar (AmE)
S sSäs
T tTti
U uUju
V vVwi
W wWdabbel-ju
X xXäks
Y yYwai
Z zZzed (BrE) / zi (AmE)

Achtung: der Name eines Buchstabens und der Laut, den er in einem Wort gibt, sind verschiedene Dinge. Der Buchstabe C heißt „ßi", aber im Wort cat gibt er den Laut „k", und im Wort city den Laut „s". Der Laut bestimmt sich aus dem Wort, nicht aus dem Buchstaben.


Teil 3: Vier Laute, die im Deutschen fehlen

Der Laut th — stimmlos (in den Wörtern think, three, thank)

Streck die Zungenspitze zwischen die Zähne und atme ohne Stimme aus. Ähnelt einem „ß", aber mit der Zunge zwischen den Zähnen, nicht dahinter. Kein deutsches „s"! Kein deutsches „f"!

Wörter: think (denken), three (drei), thank you (danke), thirty (dreißig).

Der Laut th — stimmhaft (in den Wörtern this, that, the)

Dieselbe Zungenposition zwischen den Zähnen, aber mit Stimme. Ähnelt einem „s" (stimmhaft, wie in Rose), aber mit der Zunge zwischen den Zähnen. Kein deutsches „s"! Kein deutsches „w"!

Wörter: this (dieser), that (jener), the (bestimmter Artikel), they (sie, Mehrzahl).

Fehler Nr. 1 von Deutschsprachigen: beide th durch „s"/„z" oder „f"/„w" ersetzen. Du wirst verstanden, aber sofort erkannt.

Der Laut w vs v

Im Deutschen heißt der Buchstabe „w" — der Laut ist aber das englische v (Zähne berühren die Unterlippe: wir, Wasser, Wein — alles labiodental). Das englische w ist ein anderer Laut: Lippen runden sich zu einem Tröpfchen und berühren sich fast, ohne Beteiligung der Zähne.

W (Lippen-Tröpfchen)V (Zähne + Lippe)
wevery
watervisit
wantvoice
whiteview

Zungenbrecher für den Mund: We visit very wet villages.

Doppelfalle für Deutschsprachige: Im Englischen wird der Buchstabe v wie unser deutsches „w" gesprochen (zahnig), und der Buchstabe w ist der Tröpfchen-Laut. Deutsche neigen dazu, very mit dem Tröpfchen-Laut zu sagen („wery") oder we mit den Zähnen („vi"). Beides falsch. Merk dir: englisches v = deutsches w; englisches w = neuer Laut, den du aufbauen musst.

Das kurze i (in den Wörtern sit, it, this)

Nicht das deutsche lange „i" (wie in Lied) und nicht das deutsche kurze „i" (wie in Sitz). Es ist ein kurzer, entspannter Laut — etwas dazwischen, mit lockerem Kiefer. Die Zunge spannt sich nicht an.

Kurzes iLanges ee (das ist „i")
sit (sitzen)seat (Sitz)
ship (Schiff)sheep (Schaf)
it (es)eat (essen)
this (dieser)these (diese)

Fehler Nr. 2: in beiden Fällen ein straffes deutsches „i" sprechen. Dann sind ship und sheep für dich dasselbe Wort — für den Engländer aber „Schiff" und „Schaf".

Der Laut æ (in den Wörtern cat, man, apple)

Weder das deutsche „ä" noch das deutsche „a". Der Mund ist weit offen wie für „a", aber die Zunge schiebt sich nach vorn wie für „ä". Klingt „flach" und breit.

Wörter: cat (Katze), man (Mann), apple (Apfel), thank (danken), and (und).

Fehler Nr. 3: ein deutsches „ä" sagen — dann kommt bet (Wette) statt bat (Schläger) heraus.


Teil 4: Wortakzent — wo die Kraft des Wortes sitzt

Im Englischen ist der Wortakzent — wie im Deutschen — beweglich: in einem Wort auf der ersten Silbe, in einem anderen auf der zweiten, im dritten auf der dritten. Raten geht nicht: man merkt sich den Akzent mit dem Wort.

Hauptsache: in unbetonten Silben „verstummen" die Vokale — sie werden zu einem sehr kurzen Neutrallaut (Schwa, ə). Das heißt: du hörst nur die betonte Silbe klar, der Rest ist Matsch.

Beispiele (GROSS = betonte Silbe):

  • HEL-lo — „he-LOU"
  • good-BYE — „gud-BAI"
  • THANK you — „ßÄNK ju"
  • com-PU-ter — „kem-PJU-te"
  • BA-na-na — „be-NA-ne"

Praktisch: sobald du ein neues Wort hörst, notier sofort, wo der Akzent sitzt. Ohne das klingt das Wort „deutsch", also falsch.


Teil 5: Zahlen 0–20

Einfacher Speicherblock. Die Zahlen 13–19 enden auf -teen, die Zahlen 20, 30… enden auf -ty. Diesen Kontrast hörst du in L2.

#WortLautschrift (etwa)
0zero / ohSI-rou / OU
1onewann
2twotu
3threeßri (aber mit th!)
4fourfoo
5fivefaiw
6sixsicks
7sevenSÄ-wen
8eighteit
9ninenain
10tentän
11eleveni-LÄ-wen
12twelvetwälw
13thirteenßö-TIN
14fourteenfoo-TIN
15fifteenfif-TIN
16sixteensicks-TIN
17seventeensä-wen-TIN
18eighteenei-TIN
19nineteennain-TIN
20twentyTWÄN-ti

Anmerkung: die Null sprechen Englischsprecher unterschiedlich aus: zero in der Mathematik, oh bei Telefonnummern, nil beim Fußballergebnis.

Falle: thirteen (13) und thirty (30) klingen ähnlich. Der Unterschied liegt im Akzent: thir-TEEN (auf der zweiten Silbe) vs THIR-ty (auf der ersten). Das ist beim Zählen von Geld kritisch.


Nächster Schritt: Lektion 2 — Wortstellung. Du erfährst, warum Englisch so strikt „wer-tut-was" in dieser Reihenfolge verlangt: weil es fast keine Endungen hat und nur die Position des Wortes zeigt, wer was gemacht hat. Anders als im Deutschen mit seiner V2-Regel und der Verb-End-Stellung in Nebensätzen — Englisch ist viel starrer.

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