Lektion 15: Zukunft — will und be going to

Wie du mit dieser Lektion arbeitest

  1. Lies die Regel — verstehe den Unterschied zwischen „Entscheidung im Sprechmoment" und „bereits getroffenem Plan" (5–10 Minuten).
  2. Übersetze die Übungen schriftlich — kontrolliere mit der Lösung.
  3. Sprich laut — jede Phrase mit Sinn: will oder going to?
  4. Beschleunige — gehe die Matrix durch, bis die Wahl automatisch herauskommt.

Du beherrschst die Gegenwart (Simple + Continuous, L5–6, L11) und die Vergangenheit (Simple + did, L12–13). Diese Lektion öffnet den dritten „Behälter" — die Zukunft. Im Englischen gibt es für die Zukunft zwei Hauptarten, und sie sind nicht austauschbar: will und be going to bedeuten Unterschiedliches. Im Deutschen hast du auch zwei Möglichkeiten — werden + Infinitiv (ich werde gehen) ODER Präsens + Zeitwort (morgen gehe ich). Die englische Zweiteilung mappt grob: will ≈ werden (in der „klassischen Schulgrammatik"); going to ≈ Präsens + Absicht (oder „ich habe vor zu..."). Aber die englische Verteilung folgt einem Sinn-Kriterium, nicht nur dem Stil. Genau das musst du verinnerlichen.


Teil 1: Die Hauptidee — zwei Strategien, über die Zukunft zu sprechen

will — Entscheidung wird im Sprechmoment getroffen; Prognose; Versprechen / Angebot / Drohung; unsichere Vorhersage. be going to — Plan / Entscheidung vorher getroffen, vor dem Sprechmoment; Prognose, basierend auf sichtbaren Anzeichen jetzt.

Vergleiche:

Szenariowillbe going to
Telefon klingelt, du sagst: „ich gehe ran"I'll get it. (jetzt gerade entschieden)
Freund fragt „was machst du am Samstag?", du hast KinoticketsI'm going to see a film. (Plan vorhanden)
Wettervorhersage: „ich glaube, morgen regnet es"I think it will rain tomorrow. (Vermutung)
Wolken am Himmel, du sagst: „gleich regnet es"It's going to rain. (sichtbares Anzeichen jetzt)
Hilfe anbieten: „ich helfe dir"I'll help you. (spontanes Angebot)
Entscheidung war schon: „ich helfe morgen meiner Mutter"I'm going to help my mother tomorrow.

Wahl-Test: frage dich „wann habe ich diese Entscheidung getroffen?" — Genau jetzt, in dieser Phrase → will — Vor diesem Gespräch → be going to


Teil 2: will — Formen

Formel: Subjekt + will + Grundform des Verbs. Eine Form für alle Personen — kein -s in der dritten Person.

PersonVollformKurzform
II will goI'll go
youyou will goyou'll go
he / she / ithe will gohe'll go
wewe will gowe'll go
theythey will gothey'll go

Verneinung: will + not + base. Kurzform: won't (gesprochen „wount").

I will not go. = I won't go. He will not call. = He won't call.

Frage: Inversion — will vor dem Subjekt. OHNE do!

Will you come? — Wirst du kommen? Will it rain? — Wird es regnen? When will she arrive? — Wann wird sie ankommen?

Kurzantwort: Yes, I will. / No, I won't.

Geschenk an Deutschsprachige: will ist noch ein Hilfsverb (wie do, be, did). Es übernimmt die „Zukunft" — das Hauptverb bleibt in der Grundform. Keine Personenendungen. Sauber. Im Deutschen sagst du werden + Infinitiv (ich werde gehen, du wirst gehen, er wird gehen) — Englisch ist hier sogar noch einfacher, weil will nicht konjugiert.


Teil 3: Wann will benutzen

3a. Entscheidung im Sprechmoment

Du entscheidest gerade jetzt, in dieser Phrase, ohne Vorbereitung:

Phone ringing. — I'll answer it. A: I'm thirsty. — B: I'll get you some water. Officer: „What would you like to drink?" — I'll have a coffee, please.

3b. Prognose, Meinung, Vermutung

Oft mit I think, I hope, probably, maybe, I'm sure:

I think she will be happy. It will probably rain tomorrow. I hope you will come. Don't worry, you'll be fine.

3c. Versprechen / Drohung / Angebot

I'll call you tomorrow. — Ich rufe dich morgen an (Versprechen). I'll never forget this. — Das werde ich nie vergessen. I'll help you with the bags. — Ich helfe dir mit den Taschen. If you do that again, I'll tell mum. — Wenn du das nochmal machst, sag ich es Mama (Drohung).

3d. Bitte und Angebot in der Frage

Will you open the window? — Machst du das Fenster auf? (höfliche Bitte) Will you marry me? — Willst du mich heiraten? (Antrag)


Teil 4: be going to — Formen

Formel: Subjekt + am/is/are + going to + Grundform.

Hier arbeitet der alte Bekannte to be (L3) — deshalb ändert sich die Form nach Person, wie auch im Present Continuous.

PersonVollformKurzform
II am going to leaveI'm going to leave
youyou are going to leaveyou're going to leave
he / she / ithe is going to leavehe's going to leave
wewe are going to leavewe're going to leave
theythey are going to leavethey're going to leave

Verneinung: am/is/are + not + going to + base:

I'm not going to wait. She isn't going to come. They aren't going to buy it.

Frage: Inversion am/is/are (wie überall mit to be):

Are you going to call her? Is he going to leave? When are they going to arrive?

Aussprache: In der gesprochenen Sprache klingt going to oft wie „gonna". Das ist eine umgangssprachliche Verkürzung — geschrieben going to, gesprochen „gonna" in informeller Sprache.


Teil 5: Wann be going to benutzen

5a. Plan / Entscheidung, vor dem Sprechmoment getroffen

Du hast schon nachgedacht, schon entschieden — jetzt teilst du es nur mit:

I'm going to study English this summer. — Ich habe vor, diesen Sommer Englisch zu lernen. We're going to move to a new flat next month. — Wir ziehen nächsten Monat in eine neue Wohnung. She's going to start a new job in September.

5b. Prognose aufgrund sichtbarer Anzeichen jetzt

Es gibt einen Beleg in der Gegenwart, mit dem du die Zukunft vorhersagst:

Look at those clouds! It's going to rain. (Wolken sind sichtbar) She's running too fast — she's going to fall. (siehst du jetzt) The team is winning 5-0. They're going to win the cup. (Spielstand sichtbar)


Teil 6: Vergleichstabelle — die Hauptszenarien

SzenarioRichtige Wahl
„Es klingelt. Ich gehe ran."I'll get it.
„Wir haben Pläne — wir fahren im Sommer nach Italien."We're going to Italy this summer. (oder: We're going to go to Italy this summer.)
„Ich denke, morgen wird es sonnig."I think it will be sunny tomorrow.
„Schau — sie wird gleich hinfallen!"She's going to fall!
„Morgen rufe ich an, versprochen."I'll call you tomorrow, I promise.
„Ich habe entschieden: ich höre auf zu rauchen." (Entscheidung ist gefallen)I'm going to quit smoking.
„Ich helfe dir mit den Hausaufgaben." (Angebot im Moment)I'll help you with the homework.
„Schon abgemacht — wir gehen am Freitag ins Kino."We're going to the cinema on Friday.

Feinheit: In der realen Sprache benutzen Muttersprachler die beiden oft „flexibel", besonders in Grenzfällen. Geh nicht in Panik, wenn du manchmal „nicht ideal" wählst — Hauptsache, du verwechselst nicht Pläne (going to) mit spontanen Entscheidungen (will).


Teil 7: Will als noch ein Hilfsverb — der Platz im System

Im Kurs hast du vier Hilfsverben getroffen:

HilfsverbLektionWozu
be (am/is/are)L3, L11Kopula + Present Continuous
do/doesL6Fragen und Verneinungen in der Gegenwart
didL13Fragen und Verneinungen in der Vergangenheit
willL15 (jetzt)Zukunft, Prognose, spontane Entscheidung

Gesetzmäßigkeit: Im Englischen übernimmt das Hilfsverb den „grammatischen Sinn" (Zeit, Verneinung, Frage), und das Hauptverb steht in Grundform oder mit -ing. Das ist der Motor des gesamten Systems. Will, can, should, must, have — alle arbeiten nach diesem Prinzip. Merke dir das allgemeine Schema: „Hilfsverb + base".


Nächster Schritt: Lektion 16 — Modalverben 1: can (Können, Erlaubnis), must (Pflicht), should (Rat). Das ist die „Familie" von Hilfsverben, die sich wie will verhalten: eine Form für alle Personen, ohne do, Hauptverb in Grundform. Du kennst das Schema bereits — wird leicht.

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